Startschwierigkeiten beim neuen Vergabesystem für Kitaplätze?

Die Kindergarten- und Krippenplätze werden in Ingolstadt seit kurzem über ein neues Anmeldeportal vergeben. Damit sollte die Vergabe der Plätze einfacher werden und der vorhandene Bedarf besser abgedeckt werden – das zumindest versprach sich die Öffentlichkeit davon.

Wie die Erfahrungen mancher Eltern zeigen, scheint das System aber (noch?) Schwächen zu haben. Beispielsweise ist für Eltern, die ein Kind anmelden wollen, nicht eindeutig ersichtlich, welchen Bedarf sie angeben sollen. Den tatsächlichen? Oder den maximal möglichen? Mit welchen Optionen können sie ihre Chance erhöhen, wirklich einen Platz für ihr Kind zu bekommen?

Und viele Eltern sind auf Wartelisten gelandet, sie sollen erst im Sommer Bescheid erhalten, ob und wo ihr Kind einen Platz bekommt. So funktioniert die Vereinbarkeit von Familie und Beruf aber nicht, hier müssen jetzt schnelle Entscheidungen her. Wenn man nach der Kinderpause wieder in die Berufstätigkeit zurückkehren will, braucht man Gewissheit und sichere Zusagen.

In einem Schreiben an den zuständigen städtischen Referenten wird um Stellungnahme zu den Kritikpunkten am neuen Anmeldeverfahren gebeten und natürlich um rasche Abhilfe.

Hier der Brief im Wortlaut:

Ingolstadt, 17. Mai 2019


Vergabe der Krippenplätze

Sehr geehrter Herr Engert,

das neue Anmeldeportal zur Vergabe der Kindergarten- und Krippenplätze in Ingolstadt ist vor kurzem in Betrieb gegangen. Benutzerfreundlicher und transparent sollte die Vergabe der Plätze fortan organisiert sein.

Diese Erwartungen an das neue Verfahren scheinen sich nicht erfüllt zu haben, denn momentan erreichen uns Berichte von Eltern, in denen sowohl Unklarheiten bei der Anmeldung als auch langes Warten auf eine Antwort bzw. eine Zusage und sich daraus ergebende negative Effekte, besonders für die berufliche Planung in den Familien, beklagt werden.

Wir bitten daher die Verwaltung zu folgenden Kritikpunkten Stellung zu nehmen:

  1. Es ist bei dem neuen Anmeldeverfahren nicht deutlich, ob die Chance auf einen Krippenplatz höher ist, wenn man den tatsächlichen Bedarf angibt oder wenn die maximale Zeit gebucht wird.
  2. Es herrscht auch Unklarheit darüber, ob die Favorisierung einer Krippe oder aber die Nennung möglichst vieler Krippen die Chance auf einen Platz erhöht.

Wir stellen zudem fest, dass die Eltern nach erfolgter Anmeldung zum Teil sehr unterschiedliche Rückmeldungen erhalten haben. Sowohl die zuständigen Stadtratsgremien als auch die Öffentlichkeit (vgl. den Bericht im DK) gingen davon aus, dass das neue Verfahren die Vergabe vereinfacht und der Bedarf an Krippenplätzen wohl gedeckt werden kann. Die Realität stellt sich jedoch anders dar.

Besonders im Süden der Stadt finden sich zu viele Eltern auf Wartelisten wieder. Zunächst sollte bis Mai Klarheit herrschen, nun aber sollen sich die Eltern sogar laut Auskunft der Stadt bis Juli gedulden. Das allerdings halten die betroffenen Eltern, die rechtzeitig Planungssicherheit für die Gestaltung des Familienlebens, des Wiedereinstiegs in das Berufsleben usw. brauchen, für unzumutbar. Und die Eltern haben Recht.

  1. Die Rückmeldung an alle Eltern, die noch nicht wissen, ob und wo sie einen Krippenplatz bekommen, muss nun schnell erfolgen, um bereits entstandenen Unmut und Unsicherheiten zu beseitigen.
  2. Falls noch Krippenplätze fehlen, muss schnellstens nachjustiert werden.

Die Entscheidung, an den Arbeitsplatz zurückzukehren, hängt grundlegend von der sicheren Zusage eines Krippenplatzes ab. Davon sind bekanntermaßen besonders Frauen betroffen. Das Versprechen der Vereinbarkeit von Familie und Beruf muss zuerst einmal durch verlässliche Abläufe und Strukturen von Seiten der Politik erfüllt sein.

Mit freundlichen Grüßen

Barbara Leininger

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